Montag, 29. November 2021
Notruf: 112

Praktische Ausbildung der MTA

AM 29.05.2021 ging die MTA Ausbildung unserer Jungs in die zweite Runde – Praxis.

Zusammen mit den Wehren aus Raindorf, Retzelfembach und Tuchenbach trafen wir uns bei der Freiwilligen Feuerwehr Seukendorf, welche sowohl Gastgeber als auch Teilnehmer war, um für die praktische Prüfung - und natürlich die spätere Praxis selbst - zu trainieren.

Dafür wurden fünf Stationen aufgebaut, die nacheinander durchlaufen wurden, um das Wissen zu vertiefen sowie die praktische Umsetzung zu üben. 

Station 1
Auffinden einer bewusstlosen Person:

Hier wurde den künftigen Prüflingen erklärt, welche Schritte beim Auffinden einer bewusstlosen Person zu ergreifen sind.

Sofern umliegende Personen anwesend sind, sind diese darum zu bitten einen Notruf abzusetzen, damit sich das Mitglied der freiwilligen Feuerwehr bereits weiter um die hilfsbedürftige Person kümmern kann.

Wichtig ist die Person anzusprechen und diese zu berühren sowie deren Vitalfunktionen zu überprüfen (sehen / hören / fühlen). Des Weiteren sollte der Mund - /Rachenraum überprüft werden, um sicherzustellen, dass dieser frei ist.

Sollte das Vorliegen der Vitalfunktionen festgestellt werden, ist die Person in die stabile Seitenlage zu bringen und weiter zu betreuen. Ist dies nicht der Fall, wird umgehend mit der Herzdruckmassage begonnen. Sofern ein Defibrillator zur Verfügung steht, wird auch dieser dabei eingesetzt.

Station 2
Erläutern der Anwendung eines Feuerlöschers:

Hier mussten die angehenden Feuerwehrmänner und -frauen einen Feuerlöscher aus dem Prüfungsfahrzeug nehmen und dessen Eigenschaften sowie die Inbetriebnahme erläutern.

Es gibt insgesamt 6 Brandklassen:

  • A:
    Brände fester / glutbildender Stoffe, wie z.B. Holz, Kohle oder Papier
  • B:
    Brände von flüssigen oder flüssig werdenden Stoffen, wie z.B. Benzin, Wachs oder Lacke
  • C:
    Brände von Gasen, wie z.B. Wasserstoff, Propan oder Butan
  • D:
    Brände von Metallen, wie z.B. Aluminium, Magnesium oder Lithium
  • E:
    Brände für elektrische Niederspannungsanlagen (bis 1000 Volt)
    (Diese Brandklasse wurde 1978 abgeschafft, da alle heutigen Feuerlöscher für Niederspannungsanlagen eingesetzt werden können, sofern der auf dem Feuerlöscher aufgedruckte Sicherheitsabstand eingehalten wird.)
  • F:
    Brände von Speiseölen und Fetten, wie z.B. beim Braten oder beim Frittieren eingesetzter Stoffe

Zusätzlich muss man wissen, dass es unterschiedliche Systeme bei Feuerlöschern gibt. Zum einen den sogenannten Aufladelöscher und zum anderen den Dauerdrucklöscher.

Des Weiteren gilt dann auch noch zu beachten, dass benutzte Pulverlöscher, nachdem die Einsatzstelle aufgeräumt wurde, auf den Kopf zu stellen und danach drucklos zu machen sind. Der Grund dafür ist schnell erklärt: Um den Feuerlöscher erneut verwenden zu können, muss dieser durch eine externe geprüfte Stelle wieder einsatzbereit gemacht werden. Für einen sicheren Transport dorthin muss der Feuerlöscher daher zunächst drucklos sein, um eine versehentliche Aktivierung im Fahrzeug zu verhindern. Dadurch dass der Feuerlöscher auf dem Kopf steht, kann das Treibgas entweichen, ohne dass das Pulver austritt.

Als letztes wurden noch die Einsatzgrundsätze durchgegangen.

  • Feuer in Windrichtung angreifen
  • Flächenbrände am Rande beginnend ablöschen
  • Von unten nach oben löschen (lediglich Fließ- und Tropfbrände von oben nach unten löschen)
  • Genügend Löscher gleichzeitig einsetzen (nicht nacheinander)
  • Vorsicht vor Wiederentzündung

Station 3
Anlegen des Brustbundes:

Hier mussten die künftigen Prüflinge an einem ihrer Kameraden den Brustbund – dieser dient zur Sicherung einer Person ohne weiteres Gerät - anlegen sowie die richtige Leine aus dem Prüfungsfahrzeug entnehmen.

Bei der Auswahl der richtigen Leine gilt zu beachten, dass es unterschiedliche Leinen gibt. Die beiden Markantesten sind die:

  • Feuerwehrleine
    Hier handelt es sich um eine weiße Leine aus hochwertigen Polyesterfasern, die entweder mit einem Holzknebel oder einem eingespleißten Karabinerhaken versehen ist. Sie wird in der Regel mit einer Länge von 30 Metern ausgeliefert und hat ein Durchmesser von 10 mm. Am anderen Ende befindet sich ein Augenspleiß.

    Diese Leine wird zur Selbstrettung, zum Halten und Rückhalten sowie zur Eigensicherung und dem Sichern von Geräten verwendet. Für die Menschenrettung wird diese nur dann verwendet, wenn kein Geräteset zur Absturzsicherung vorhanden ist – Dafür ist der Brustbund gedacht, um den es in dieser Übung ging.
  • Arbeitsleine
    Hierbei handelt es sich um eine rote Leine, welche wie die Feuerwehrleine entweder mit einem Holzknebel oder einem eingespleißten Karabinerhaken versehen ist. Sie dient zum Festzurren von Geräten oder dem Hochziehen von Strahlrohren. Diese Leine darf nicht zur Personensicherung eingesetzt werden.

Station 4
In- und Außerbetriebnahme eines Hydranten:

Bei dieser Station musste ein Unterflurhydrant, also ein Hydrant, der sich unterhalb des Bodens befindet, mit einem Deckel versehen ist und keine direkten Anschlüsse hat, in Betrieb genommen werden.

Dazu muss dieser aber erst einmal in der Umgebung gefunden werden. Da im Brandfall natürlich keine Zeit für eine lange Suche nach einem Hydranten verschwendet werden soll, gibt es die Hydrantenschilder, welche weiß-rot umrandet und mit schwarzer Schrift versehen sind. Auf diesen ist die genaue Lage des Hydranten in Metern und Dezimetern sowie der Durchmesser der Zuleitung vermerkt.

Nachdem die Übungsteilnehmer einen Hydranten gefunden hatten, musste dieser geöffnet werden. Dafür gibt es den sogenannten Unterflurhydrantenschlüssel. Dieser ist T-Förmig und hat am oberen Ende eine flache Seite, mit der der Hydrantendeckel mit behutsamem Klopfen von Verspannungen oder Eis befreit werden, sowie einen Haken, mit dem der Deckel angehoben werden kann.

Nach dem Öffnen des Unterflurhydranten muss sodann das Standrohr gesetzt werden. Damit dies funktioniert, muss die Schutzkappe auf dem Ventil im Hydranten noch entfernt und von ggf. Verunreinigungen befreit werden.

Vor dem Setzen des Standrohrs ist außerdem darauf zu achten, dass die Klauenmutter ganz nach unten geschraubt wurde, da diese sich ähnlich wie ein Bajonettverschluss in das Ventil des Hydranten einklemmt und somit das Standrohr fest mit dem Ventil verschraubt werden kann.

Im Anschluss wird der Hydrant bis zum Anschlag aufgedreht und dann eine halbe Umdrehung wieder zurückgedreht.

Nun wird der Hydrant gespült. Dazu wird die vom Geschehen abgewandte Seite des Standrohres geöffnet und das Wasser solange laufen gelassen, bis dieses glasklar ist und keine Verunreinigungen mehr austreten.

Jetzt wird noch ein sogenannter Systemtrenner an das Standrohr angeschlossen, bevor dann letztendlich ein Druckschlauch befestigt werden kann und dieser zur Kreiselpumpe geführt wird. Der Systemtrenner sorgt dafür, dass das öffentliche Wasserleitungsnetzwerk vor Verunreinigungen sowie vor Rückdruckstößen geschützt wird.

Ihr könnt Euch das so noch nicht vorstellen? Dann schaut Euch gern unser Video dazu unten an. Hier demonstriert unser Kamerad David wie das auszusehen hat.

Station 5
Erklären und Bedienen eines Handfunkgerätes

An dieser Station mussten die künftigen Prüflinge ihr Können beim digitalen Funk mit einem HRT unter Beweis stellen.

Das Handfunkgerät (HRT - Handheld Radio Terminal) dient als wichtigstes Kommunikationsmittel an der Einsatzstelle. Es kann jedoch auch dazu genutzt werden um mit der Leitstelle oder gar mit anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in Kontakt zu treten und kann überdies als Verstärker eingesetzt werden, um die Reichweite zu erhöhen.

Die Übungsteilnehmer mussten zeigen, dass sie das Gerät bedienen können. Dazu gehört: Das Ein- / Ausschalten, die Lautstärkeregelung, die allgemeine Bedienung, die Ladestation / der Akku. Auch der Wechsel zwischen den beiden Betriebsmodi DMOTMO sowie dessen Bedeutung mussten erläutert werden.

  • DMO
    Hierbei handelt es sich um den Einsatzstellenfunk. Dieser Modus wird vor Ort verwendet und besitzt zusätzlich noch zwei weitere Möglichkeiten der Kommunikation. Nämlich einmal den Einzelruf und den Gruppenruf. Wie der Name es schon verrät, wird bei einem Einzelruf nur ein einzelnes Funkgerät kontaktiert. Diese Kommunikationsart ist aber nicht der Regelfall, da normalerweise in Gruppen kommuniziert wird. Hierbei empfangen alle Funkgeräte, welche sich in Empfangsreichweite befinden und auf dieselbe Gruppe eingestellt sind, einen Funkruf.
  • TMO
    Über diesen Modus kann mit der Leitstelle kommuniziert werden. Als Unterschied zum DMO wird hier aber keine direkte Kommunikation mit dem Ziel hergestellt, da diese in der Regel zu weit entfernt ist. Vielmehr kann man es sich hier wie bei einem Smartphone und dem Funknetzwerk vorstellen. Das Funkgerät wählt sich in das Funknetzwerk TETRA ein und der Funkspruch wird dann über mehrere Vermittlungsstellen mit dem gewünschten Teilnehmer verbunden. Auch hier gibt es die Möglichkeit zwischen einem Direktruf oder einem Gruppenruf.

Eine weiter Besonderheit am HRT ist der Notrufknopf. Wenn dieser mehrere Sekunden lang gedrückt wird, wird das Funkgerät in einen Freisprechmodus geschaltet, welcher 30 Sekunden lang anhält. Während dieser Zeit ist die gesamte Kommunikation, in der eingewählten Gruppe, von allen anderen Geräten unterbunden, sodass die Person, die den Knopf gedrückt hat, ihren Notruf ohne Störungen absetzen kann.

 

Alle Teilnehmer haben die einzelnen Stationen souverän absolviert und konnten den Tag hoffentlich mit einem guten und sicheren Gefühl für die kommende Prüfung, am 05.06.2021, beenden.

Wir drücken die Daumen!

 

Video:


Bilder:

 mta praxis uebung 20210530 01mta praxis uebung 20210530 02

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Feuerwehrleine#Arbeitsleine
https://www.helpi.com/Feuerwehr/Ausruestun[...]
https://www.gloria.de/Information/Pages[...]
https://www.feuerwehr-lernbar.bayern/download[...]
https://de.wikipedia.org/wiki/Hinweisschilder_zu_S[...]
https://www.itwissen.info/DMO-direct-mode-operatio[...]
https://www.itwissen.info/TMO-trunked-mode[...]

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